Auf der Brunnenkresse-Klinge in Erfurt
Seit 1630 wird in Erfurt Brunnenkresse angebaut – und zwar in sogenannten Klingen: künstlich angelegte Wasserläufe mit einem kaum spürbaren, aber für die Pflanzen entscheidenden Gefälle.

Der Universalgelehrte Christian Reichart (1685–1775), Begründer des Erwerbsgartenbaus in Deutschland, perfektionierte dieses ausgeklügelte Kultursystem.

Die würzige Pflanze bekam später prominente Aufmerksamkeit: Kein Geringerer als Napoleon Bonaparte war bei seinem Aufenthalt in Erfurt 1808 so angetan von der Brunnenkresse, dass er kurzerhand zwei Gärtner mit nach Versailles nahm, um sie dort nach Erfurter Vorbild anbauen zu lassen.

Noch in den 1960er-Jahren umfasste der Anbau in Erfurt rund 20.000 Quadratmeter. Bis zu 44 Tonnen wurden pro Saison geerntet. Doch in der DDR wurden Mitte der 1970er-Jahre über 50 Klingen zugeschüttet – eine jahrhundertealte Tradition verschwand.

Heute wird Brunnenkresse vor allem in Regionen mit sauberem, kühlem Fließwasser angebaut – etwa in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden sowie in Teilen Deutschlands und der Schweiz. Industrieller Anbau ist selten geworden, vieles stammt aus kleineren, spezialisierten Betrieben.

Dass die grüne Spezialität wieder nach Erfurt zurückgekehrt ist, ist vor allem der Initiative von Ralf Fischer zu verdanken. Er begann Anfang der 1990er-Jahre, die historische Klinge seiner Familie zu rekonstruieren. Ich habe ihn in Erfurt besucht – und dabei auch Max Kaufold kennengelernt: einen unerschrockenen Lehramtsstudenten, der sich zutraut, die Klinge in die Zukunft zu führen.

Warum der Brunnenkresseanbau heute kaum noch eine Rolle spielt, was die Pflanze so besonders macht, weshalb man auf der Klinge einen guten Gleichgewichtssinn und starke Knie braucht – und wie man sie mit etwas Glück und frischem Wasser sogar zu Hause anbauen kann: All das verraten die beiden in dieser Folge.
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