Die Walnussmeisterei der Vivian Böllersen
Eine ganz erstaunliche, junge Walnuss-Bäuerin setzt sich mit Pioniergeist und Forscherdrang für das Revival der Walnuss ein. Denn obwohl die Bäume wahre Multitalente sind, haben sie Unterstützung nötig.
Es begann ganz harmlos. Der Walnussbaum im elterlichen Garten brachte Vivian Böllersen an die „Nuss“. Als Kind wurden Nüsse gesammelt und verkauft. Das schien ihr das Normalste der Welt. Und als sie Jahre später ein Landwirtschaftsstudium an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde absolvierte, war es wieder die Walnuss, die Juglans regia, für die sie sich interessierte.
Im Schatten der Forschung
Allerdings war das schwerer als gedacht. Denn Literatur über Sorten, Anbau, und Pflege gab es kaum. Warum auch? Der Walnussbaum spielt im Erwerbsanbau kaum eine Rolle. Und das, obwohl Baum und Nuss über erstaunliches Potential verfügen.
Der ideale Haus- und Hofbaum
Er treibt im Frühjahr spät aus und lässt die Strahlen der Frühlingssonne passieren. Und im Herbst ermöglicht das früh lichter werdende Laub der schwächer werdenden Sonne dasselbe. Als stattlicher Solitär verleiht er seiner Umgebung Charakter.
Die vielen Talente der Walnuss
Man kann so gut wie alles von einem Walnussbaum verwenden. Das Holz und die außerordentlich gesunden Nüsse natürlich. Aus den Nussschalen wird Haarfärbemittel hergestellt. Die Kämben, also die verhornten Häutchen zwischen den Nusshälften, gelten als herzstärkend, wenn man Tee mit ihnen aufgießt. Und die Blätter legte man früher in die Schuhe, um das Brennen der Füße zu lindern. Denn die Blätter verfügen über Duftdrüsen, die Mücken und Fliegen abwehren, und deshalb den Walnussbaum zum idealen Platz für die Gartenbank machen.
Heute verwendet man Extrakte aus Walnussblättern als Basis für Arzneimittel bei oberflächlichen Entzündungen der Haut. Die Inhaltsstoffe gelten als nervenstärkend, schweißregulierend und leistungssteigernd.
Ein Dutzend Walnuss-Bauern
Vivian Böllersen trug zusammen, was sie über die Geschichte, die kulturelle Bedeutung, die Verwendung und den Anbau finden konnte. Welche Sorte aber für welche Region geeignet ist, wie der Walnussbaum für den Klimawandel gerüstet ist und welche neuen Erkenntnisse es aus der Praxis gibt, darüber fand sie so gut wie nichts. Sie setzte sich also ins Auto und besuchte die wenigen Profis im Walnuss-Anbau in Deutschland und Österreich, in den Niederlanden, in Tschechien und in Ungarn.
Die eigene Anlage
Und dann ging sie noch einen Schritt weiter. Sie gründete ihren eigenen Betrieb: die Walnussmeisterei. Auf einer Anlage von etwa viereinhalb Hektar pflanzte sie rund 250 Walnussbäume. Dreißig verschiedene Sorten testet sie jetzt gewissermaßen auf „Herz und Nieren“. Die Bäume sind erst wenige Jahre alt. Bis sie ihre eigenen Walnüsse ernten kann, übernimmt Vivian Böllersen die Ernte von Kollegen und von Hobbygärtnern, die nicht wissen, wohin mit der Nuss. Und weil sie mittlerweile oft gefragt wird, welcher Walnussbaum zu welchem Standort passt, verkauft sie auch die Sorten, die sie für gut befindet.
Mehr regionale Walnuss
Ihr Ziel ist es, mehr Walnussbäume in die Gärten, und mehr regionale Walnüsse in die Regale der Supermärkte zu bringen. Denn die Nüsse, die wir in den Supermärkten kaufen, kommen in der Regel aus China, Nordamerika und Frankreich. Die Vielfalt in Form und Geschmack geht dabei verloren.
Die IG-Nuss
Vivian Böllersen teilt das Wissen, dass sie sich angeeignet hat. Ihre Masterarbeit ist als Buch unter dem Titel „Revival der Walnuss“ erschienen. Darin erfährt man. wie und wann man die Bäume pflanzt und pflegt, mit welchen Pflanznachbarn sie sich vertragen. Und bei der IG-Nuss, dem Interessensverband Nuss, bringt sie Profis an einen Tisch, um Erfahrungen miteinander auszutauschen.
Wie die Wallnussmeisterei funktioniert, was für Schätze es unter den Nüssen gibt, wie man sie trocknet und was man gegen den neu eingewanderten Schädling, die Walnussfruchtfliege, tun kann - erzählt Vivian Böllersen in der Sendung.
Kontakt:
Walnussmeisterei
Vivian Böllersen
Im Eichholz 3316835
Herzberg (Mark)
mail info (at) walnussmeisterei.de
www.Walnussmeisterei.de