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Der Garten im Juni: Der eigene Kräutergarten

Olivenkraut, Marzipansalbei, Zitronenthymian oder Petersilie. Jetzt ist die Zeit für liebgewonnene Kräuterklassiker und kleine Abenteuer im Kräuterbeet.

Kräuter haben sich zu den heimlichen Stars in Gärten und auf Balkonen entwickelt. Kein Wunder. Wer jemals die Spaghettisauce mit eigenem Rosmarin gewürzt, die Erdbeeren mit Minze frisch aus dem Beet verfeinert oder den Frühstücksquark mit dem gerade geschnittenen Schnittlauch bestreut hat, kennt das Gefühl von Gärtnerstolz, gepaart mit der unerschütterlichen Überzeugung, dass dem Aroma der eigenen Pflanze kein gekauftes Kraut das Wasser reichen kann. Das gilt für die Klassiker, wie Petersilie, Liebstöckel oder Majoran genauso, wie für die mediterranen „All Stars“ Rosmarin, Salbei oder Thymian. Und natürlich kommen immer wieder neue Kräuter dazu, wie Zimtbasilikum, Marzinpansalbei oder das Olivenkraut, das oben abgebildet ist.


Alexianer-Gärtnermeisterin Dagmar Hauke im Kräuterbeet © GartenRadio.fm


Die Kräuter – ein Spezialgebiet der Alexianer

Die Alexianer-Klostergärtnerei in Köln-Porz hat sich schon vor Jahren auf Kräuter spezialisiert. Über fünfzig Sorten werden selbst gezogen und einige davon zu Anschauungszwecken in Schaubeete gepflanzt. So kann der Laie sehen, wie innerhalb einer Saison aus einem Pflänzchen eine ausladende Pflanze wird. 

Einmal im Jahr steht die Gärtnerei sogar ganz im Zeichen der Kräuter. Während der jährlichen Kräuterwoche (6.-11. Juni) werden nicht nur Kräuter gezeigt und verkauft, sondern auch geschmort, gebrüht und gedünstet. In Kochseminaren kann man lernen, wie man sie verwendet. Denn Kräuter sind wahre Multitalente. Abgesehen vom Geschmack werden sie für ihre wohltuende, manchmal sogar heilende Wirkung geschätzt. Mit ihrem Duft machen sie Garten und Balkon zu einem sinnlichen Erlebnis und mit ihrem Blattwerk bringen sie Struktur ins Beet.
 Salbeiblütenknopse © GartenRadio.fm
Wir waren für unseren Streifzug durch die Kräutervielfalt mit Alexianer-Gärtnermeisterin Dagmar Hauke unterwegs und haben uns praktische Tipps für den Kräuterkauf, für die Verwendung und die Hege und Pflege geben lassen.
 

Sattes Blatt und helle Wurzeln

Um die Qualität einer Kräuterpflanze bei Kauf zu beurteilen, gibt es zwei einfache Kriterien, meint Dagmar Hauke. Ob das Kraut gesund und kräftig ist, erkennt man am Blatt und an der Wurzel. Je dunkler bzw. satter das Grün des Blattes, desto besser ist die Pflanze mit Nährstoffen versorgt. Auch ein Blick auf die Wurzeln hilft bei der Beurteilung. Dazu sollte man die Pflanze vorsichtig aus dem Topf nehmen. Sind die Wurzeln hell, gelblich oder hellbraun, ist die Pflanze gesund. Wenn die Wurzeln dunkel sind, oder sogar leicht säuerlich riechen, hat die Pflanze zu nass gestanden. Dann lieber die Finger davon lassen.

Zum Nachmachen geeignet: Kräuter in Weinkisten © GartenRadio.fm

Welches Kraut passt zu mir?

Das kommt  wie immer − darauf an: auf den Standort und auf den eigenen Geschmack. Wer den Zitronenthymian, das Zimtbasilikum oder die Minze in der Küche zum Würzen und Verfeinern verwenden möchte, der sollte sich nicht scheuen, vor dem Kauf ein Blättchen zu probieren. Allein beim Zitronenthymian gibt es viele unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Der eine schmeckt zitroniger, der andere schärfer und der dritte hat einen leicht bitteren Beigeschmack.

Kriechender Salbei © GartenRadio.fm


Besser nicht zur Blumenerde greifen

Kräuter mögen keine hochgedüngte Blumenerde. Eine magere Pflanzerde reicht für Petersilie, Schnittlauch, Kapuzinerkresse oder Basilikum. Für die mediterranen Kräuter sollte man ein Drittel Sand untermischen. Oder man greift gleich zur Kräutererde, da ist der Sand schon drin. Ist genug Platz für die Wurzeln im Topf oder Kasten, kann eigentlich jedes Kraut auf den Balkon, meint Dagmar Hauke. Eine fantasievolle Variante zum Topf sind Weinkisten mit Jutesäcken ausgelegt. Oder man stellt ein paar Töpfe ins selbstgebaute Paletten-Regal und schon man hat einen regelrechten Hingucker im Garten oder auf der Terrasse.

Im Beet mögen die Kräuter den Boden gerne etwas durchlässiger. Bei sehr lehmigem Boden empfiehlt es sich, für mediterrane Kräuter etwas Sand beizumischen

Ringelblume © GartenRadio.fm

Blatt oder Blüte

Kann man Kräuter noch ernten, wenn sie schon blühen? Ja, meint die Gärtnermeisterin, auch wenn das Aroma des Blattes vor der Blüte intensiver ist. Aber ein blühendes Kraut sieht nicht nur schön aus, auch die meisten Blüten sind essbar. Die Blüten von Salbei, Rosmarin oder Orangentagetes sind nur einige Beispiele dafür. Wer Kräuter trocknen möchte, sollte sie allerdings vor der Blüte ernten, dann sind die ätherischen Öle intensiver.  


Einfach mal Neues wagen

Es lohnt sich, aus vielerlei Gründen, neue Kräuter auszuprobieren, empfiehlt Dagmar Hauke. Zum Beispiel: einfach mal zum Blutampfer, statt zum Sauerampfer greifen. Die Blätter mit der roten Äderung sind eine optische Bereicherung im Beet.

Das Olivenkraut besticht durch seinen Naschfaktor. Es schmeckt fast zu intensiv, um ganze Ästchen zu verwenden. Aber im Vorbeigehen ein Stückchen abknipsen und sich auf der Zunge zergehen lassen, lässt einen Moment lang Bilder von Meer und Olivenbäumen, einen Hauch von Urlaubsgefühl aufleben. Ein kleines Stück in ein Prosecco-Glas getaucht, soll übrigens eine ganz ähnliche Wirkung haben.

Ebenso gehören in die Wellness-Abteilung des Gartens der Honigmelonen- und Ananassalbei. Einmal ausgepflanzt, werden sie schnell zu Kleinsträuchern, in die man die Hände tauchen kann, um sich von dem fruchtigen Geruch begleiten zu lassen.

 Das aparte Laub des Bronzefenchel © GartenRadio.fm


Ein wahrer Adonis in der Kräutersammlung ist der Bronzefenchel. Bis zu eineinhalb Meter kann er in den Gartenhimmel ragen. Sein filigranes Laub ist nicht nur würzig, es ist auch eine schöne Ergänzung in einem Gräserbeet.

Noch relativ unbekannt ist der Orangenthymian. Mit seinem eher grauen Blatt, seinem kompakten Wuchs und seiner hellrosa Blüte ist er nicht nur eine Bereicherung im Beet. Sein leichter Duft nach Orange kann sich als Würzmittel von Fleisch oder im Salat gut entfalten. Auch als Füllung von Duftkissen eignen sich seine Blätter.

Kräuterspirale oder Kräuterkrater

Die Kräuterspirale ist eine dekorative Art, Kräuter im Garten zu bündeln. Allerdings ist sie nicht ohne Tücke, meint Dagmar Hauke. Wer Kräuter in einer Kräuterspirale anbaut, sollte die unterschiedlichen Wuchsformen und Ansprüche an Licht und Wasser beachten. Wärmeliebende Pflanzen, die weniger Wasser brauchen, zum Beispiel Rosmarin oder Lavendel, sollte man nach oben pflanzen. Bei Pflanzen, die sich gerne breitmachen, wie die Minze, kann es ratsam sein, sie in einem Topf in die Kräuterspirale zu setzen, damit sie nicht alles überwuchert. Es ist allerdings nicht ganz einfach, ein gesundes Gleichgewicht in dieser Anbauform hinzubekommen.

Immer beliebter werden die Kräuterkrater. Darunter versteht man eine Vertiefung im Beet, in der sich Wärme länger speichern lässt, so dass die Kräuter sich fühlen, als ob sie an einer warmen Hauswand stünden. Wichtig ist es dabei, auf einen durchlässigen Boden zu achten und eventuell Kies unterzumischen, der die Wärme länger speichern kann. Aber ein ganz normales Beet tut es in der Regel auch, um Kräuter anzupflanzen, meint die Fachfrau.


Blutampfer © GartenRadio.fm

 
An der Spitze des Kräuterolymp

...gibt es keinen Zeus und keine Hera. Denn jedes Kraut hat seine eigenen Stärken und kommt doch oft bescheiden daher. Und gerade das ist es, was Dagmar Hauke an Kräutern schätzt. Und das Sinnliche, mit dem sie den Alltag bereichern, wenn sie mal hier, mal dort ein Blättchen abzupft und es in der Hosentasche mit sich herumträgt. Einfach nur, um es manchmal heraus zu nehmen und daran zu schnuppern.
 
Und noch ein Alexianer-Gartentipp für den Monat Juni:

Ganz wichtig für Balkon- und Kübelpflanzen: JETZT NACHDÜNGEN und außerdem nicht vergessen, Verblühtes abzuschneiden.