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Besondere Gärtner: Pflanzenflüsterer und Trendscout

Rainer Berger ist in vierter Generation Gärtner. Von klein auf entwickelte er ein Gespür für Pflanzen und für Gartenliebhaber. Fünf mal war er IGA/BUGA- Organisator und hat viele Trends kommen und gehen sehen. 
Pflanzenflüsterer wird Rainer Berger genannt. Dabei hält er sich selber eher für einen Pflanzenversteher. Er kann sehen, ob es einer Pflanze gut geht oder nicht, sagt er. Ob sie Dünger braucht, mehr Wasser oder weniger, sich an ihrem Standort wohlfühlt. Das hat der Gärtner aus Leidenschaft von Kindheit an gelernt. Auch dass Blumenkohl genauso schön sein kann wie eine Rose.

Rainer Berger © Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft

Das Verständnis und die Liebe zu den Pflanzen hat er von klein auf mitbekommen. Er wurde schon in vierter Generation als Sohn eines Gärtners geboren. Seine Eltern hatten eine Gärtnerei in Arendsee in der Altmark. Schon als  Kind hat er dabei geholfen, Pflanzen zu pikieren oder aus Usambaraveilchenblättern Stecklinge zu ziehen und er wollte nie etwas anderes werden als Gärtner. Das ist er dann auch geworden, obwohl sein Vater ihn warnte: "Lern einen anderen Beruf, Pflanzen wachsen auch am Wochenende, da hat man nie frei". Aber Berger machte nicht nur  seine Ausbildung, er hängte sogar noch ein Studium an der Ingenieurschule für Gartenbau in Erfurt dran. Als die  Liebe  ihn nach Magdeburg verschlug, da begann er bei der  Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) Cyclamen zu arbeiten. Und da  lernte er nicht nur sein Fachwissen zu vertiefen, sondern zu DDR-Zeiten, auch wie man organisiert und improvisiert, wenn es mal wieder an irgendetwas mangelt.

Die Königsdisziplin der Gartenbaukunst


Dieses Organisationstalent hat ihm erlaubt, in die Königsdisziplin der Gartenbaukunst einzusteigen. So hat er es mal  genannt. Nämlich bei der  Organisation von Bundesgartenschauen oder Internationalen Gartenschauen. Fünfmal war er dabei.  Zum ersten Mal bei der BUGA in Magdeburg im Jahr 1999,   dann bei der IGA – der Internationalen Gartenschau in Rostock. Es folgten die BUGA 2007 in Gera/Ronneburg,  2011  in Koblenz und dann die BUGA 2015 in der Havelregion. Die war für ihn nicht nur besonders, weil sie in seiner Heimat stattfand, sondern auch weil es seine letzte BUGA war. Und die war auch besonders anstrengend, weil sie gleichzeitig an fünf Orten stattgefunden hat,  die rund 80 Kilometer auseinander liegen. Wie viele Tausende von Stauden und Gehölzen  gepflanzt und gepflegt werden mussten, kann Rainer Berger gar nicht zählen. Wichtig war ihm dabei vor allem, dass man den verwöhnten  Gartenschaubesuchern immer wieder Neues und Überraschendes bieten muss.

Lorbeerrose © GartenRadio.fm

Lorbeerrose und Blumenhartriegel


Was gibt es Neues in der Gartenbranche? Wie kann ich meinem Garten eine neue Richtung bieten? Welche neuen Pflanzen, neuen Farben, besonderen Blüten können verwöhnten Gartenschaubesuchern begeisterte Ah’s und Oh’s entlocken? Das ist eine der Aufgaben, die sich Rainer Berger immer wieder gestellt hat. Auf der Buga 2015 war es  zum Beispiel die Lorbeerrose (Kalmia). Eine zarte Schönheit mit einer  Knospe fast wie aus Porzellan mit Farbfacetten von Rot-Tönen bis ganz reinweiß. Sie mag denselben Standort wie Rhododendren und blüht zur gleichen Zeit von Ende Mai bis Ende Juni.
Und wenn zu Rhododendron und Kalmia noch ein ganz spezieller Blumen-Hartriegel der Sorte Venus mit riesigen, strahlend-reinweißen Hochblättern gepflanzt wird, dann wird aus einer gewöhnlichen Rhododendronecke im Garten eine spektakuläre  Mischung aus Orient und Okzident. Denn für die Sorte Venus wurde ein chinesischer Hartriegel mit einem amerikanischen gekreuzt.

Schusterpalme und Rosenduft


Rainer Berger hat viele Trends kommen und gehen sehen. Die Schusterpalme, die früher auf dem  Fensterbrett stand,  ist längst verschwunden. Genauso wie die Klivie, die allerdings gerade ein Revival erlebt. Rosen, die lange vor allem auf Blütenform und –farbe gezüchtet wurden, werden jetzt wieder mit duftenden Sorten gekreuzt. 
 
BUGA 2015 Rathenow © GartenRadio.fm

Der neue Trend : Gräser und Grünkohl

Gräser haben sich in den letzten Jahren zu einem Trend entwickelt. Denn gerade im Winter, wenn der Garten wenig abwechselungsreich aussieht, sorgen sie mit ihren Farben und Blüten für filigrane Kontraste. Deshalb hat der Bund Deutscher Staudenbetriebe sogar ein Gras - Carex, die Segge - als Staude des Jahres 2015 benannt.

Aber was den Gärtner vor allem freut, ist das wachsende Interesse am Gärtnern. Junge Menschen pflanzen Blumen, mieten Äcker, bauen eigenes Gemüse an und freuen sich am Garten. So wie Rainer Berger. Und diese Freude wird er sich auch nach seiner letzten Bundesgartenschau gönnen und beim Heckenschneiden in meditative Entspannung fallen. Und wenn er noch einmal zur Welt kommen würde, dann hielte er es mit Karl Förster, dann würde er wieder Gärtner.