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Am Anfang war der Garten

Seit 3000 Jahren gärtnert die Menschheit. Die Perser schufen inmitten des kargen Hochlandes wahre Paradiese und nannten sie auch so. Ausgerechnet in Berlin-Marzahn findet man solch einen paradiesischen Garten.

Paradaidha nannten die Perser ihre Gärten. Das Wort wurde als „Paradies“ in vielen europäischen Sprachen übernommen. Wörtlich bedeutet Paradies „umfriedetes Land“, denn die Gärten wurden als Ryad angelegt, also als Gartenhof mit einer Mauer umgeben, in den man nur gelangt, wenn der Hausherr den Gast herein bittet. Die Unesco hat im Orient 21 Gärten als Weltkulturerbe aufgenommen. Wer keine Gelegenheit hat, in den Orient zu reisen, um sich so einen Paradies-Garten anzusehen, hat in Europa zwei Möglichkeiten, sich einen Eindruck von diesen Gärten mit jahrhundertealter Tradition zu verschaffen. Der eine Garten ist die Alhambra in Granada. Den anderen Paradies-Garten findet man in den Gärten der Welt in Berlin-Marzahn

Schmucklilie - Gärten der Welt, Berlin Marzahn © GartenRadio.fm


Der Paradies-Garten in Berlin-Marzahn

Seit 1987 entstehen in den Gärten der Welt in Berlin-Marzahn immer wieder neue Gartenlandschaften.  Besucher können unter anderem durch einen chinesischen, einen koreanischen, einen balinesischen und seit 2006 auch durch einen orientalischen Garten lustwandeln.

Wer in das orientalische Gartenparadies will, muss zuerst durch das Bab-Al-Janan, durch das Tor des Gartens. Denn der 1800 qm große Gartenhof verbirgt sich hinter einer vier Meter hohen, terracottafarbenen Mauer.  Das Bab-Al-Janan, der Saal der Empfänge, ist sozusagen die „Diele“ des Paradieses. Ein quadratischer Raum umsäumt von Arkaden, die über und über mit Schnitzereien aus Zedernholz verziert sind. An den Wänden leuchten Mosaike, die aus über zweieinhalb Millionen Kacheln gebaut wurden.  Dahinter wartet ein 1800 qm großer Gartenhof, der, wie schon im Koran beschrieben, die Vorstellung des Garten Edens abbilden soll.


Wasserspiele - Gärten der Welt, Berlin Marzahn © GartenRadio.fm

Es ist ein Paradies, in dem Wasser das Kostbarste ist.  In der streng geometrischen Anlage entspringt genau in der Mitte in einem Zedernholz-Tempel eine Quelle aus einem Marmorbecken. Vier Wasserspiele laufen aus den vier Himmelsrichtungen darauf zu und symbolisieren die Ströme des Lebens -  Honig, Milch, Wasser und  Wein.


"Ehrt Eure Tante, die Dattelpalme"


Pflanzen, die duften, heilen und das ganze Jahr Früchte tragen, spielen eine besondere Rolle.  „Ehrt Eure Tante, die Dattelpalme“,  mahnte schon der Prophet Mohammed. Er nannte sie Tante, weil sie aus dem Rest des Lehms geschaffen wurde, der bei der Erschaffung Adams übrig geblieben sein soll.  Hanf- und Dattelpalmen, Myrthe, Oleander oder den Judasbaum, dessen violett farbene Blüten direkt am Stamm wachsen, findet man auch im orientalischen Garten in Marzahn.  Granatapfelbäume überraschen mit ungewöhnlichen Blüten, die wie kleine Glocken von den Zweigen hängen.

Granatapfelblüte - Gärten der Welt, Berlin Marzahn © GartenRadio.fm


Der Planer des Paradiesgartens

Geplant hat diesen Garten der aus Algerien stammende und in Berlin lebende Garten- und Landschaftsarchitekt Kamel Louafi. Er hat schon viele Gärten geplant: die Gärten der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover zum Beispiel oder den Königsplatz in Kassel. Auch Gartenanlagen im Orient sind dabei - in Abu Dhabi, in Katar und Saudi-Arabien. Aber nie zuvor hatte er ein orientalisches Paradies in Mitteleuropa geplant. In einer üppig fruchtbaren Gegend, die sich so sehr von den trockenen Wüstenregionen unterscheidet, wo die ersten Paradiesgärten entstanden sind.
 
 
 "Diese Gärten sind im islamischen Raum in einer sehr kahlen Landschaft entstanden. Sie laufen und fahren, reiten tagelang, bis Sie irgendwann am Horizont ein Stück Palme sehen, oder ein bisschen Grün und dann gehen Sie hinein und dann sind Sie in einer vertieften Fläche und das ist eine Oase. Dann haben Sie das Gefühl - Sie kommen ja nicht aus der Hölle, aber so ungefähr- Sie kommen geschwitzt und ausgetrocknet hinein und dann sehen Sie, da sind ja Früchte  und Gemüse und da ist das Wasser und dann entsteht das Gefühl des Paradieses und ich glaube das ist etwas, was  nicht nur etwas mit dem Islam zu tun hat. Das ist schon ein Lebensgefühl." (Kamel Louafi)

Kamel Louafi © Kersten Ullmann