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Das grüne Erbe der Marianne Foerster

Sie war die Tochter des wohl berühmtesten deutschsprachigen Gärtners, Karl Foerster, und betreute das grüne Vermächtnis ihres Vaters, den Karl-Foerster-Garten in Potsdam-Bornim. Fast 10 Jahre nach ihrem Tod sind jetzt ihre „Stegreif-Vorträge“ über diesen Garten zu hören.

Marianne Foerster sagte manchmal: „Beruf Tochter". Sie hat das fortgeführt, was ihr Vater angefangen hatte. Sie war eine Einheit mit ihrem Garten. Diesen Eindruck hat die Filmemacherin Bärbel Freund während der fast eineinhalb Jahre gewonnen, in denen sie Marianne Foerster immer wieder in ihrem Garten besuchte.

Bärbel Freund hinter der 16 mm Kamera im Karl-Foerster-Garten © Bärbel Freund
Marianne Foerster war die Tochter eines ganz besonderen Gärtners. Einer, der wohl, wie kein zweiter, die deutsche Gartengeschichte geprägt hat. Karl Foerster war nicht nur außergewöhnlicher Staudengärtner, sondern auch Gartenphilosoph.

Staudengärtner und Gartenphilosoph

Er schrieb Bücher mit so verheißungsvollen Titeln wie: „Ferien vom Ach“ oder „Es wird durchgeblüht“. Auch viele neue Stauden sind ihm zu verdanken. Vor allem Phloxe und Rittersporne. Ob Himmel-, Kobalt- oder Azurblau, keine andere Farbe mache gartenfroher" als Blau, davon war er überzeugt.  

In einer Zeit, in der man Gärten eher als dekorative Farbflecke sah, war für ihn jede Pflanze ein Individuum, das sich in einem naturnahen Garten wohlfühlen sollte. Nach diesem Prinzip legte er auch seinen eigenen Garten in Potsdam-Bornim an. Dort hat er gelebt und dort ist er im Jahr 1970 im Alter von 96 Jahren gestorben.

Die "Stegreif-Vorträge" von Marianne Foerster haben die Filmemacherinnen Bärbel Freund und Ute Aurand in einem Heft zusammengetragen. © GartenRadio.fm
Nach der Gärtnerlehre bei ihrem Vater, hatte sie 30 Jahre lang im Brüsseler Büro des Gartenarchitekten René Pechèr gearbeitet. Von 1990 bis zu ihrem Tod im Jahr 2010 lebte sie im Haus und vor allem im Garten des Vaters und hielt ihn, ganz in seinem Sinne, offen für Besucher.

Eine dieser Besucherinnen war Bärbel Freund. Die Begegnung zwischen den beiden fand im Jahr 2000 statt. Die Bundesgartenschau in Potsdam rückte näher. Als Teil der Blumenschau wurde der Karl-Foerster-Garten restauriert, und Marianne Foerster wünschte sich einen Film, den man auf der BUGA 2001 zeigen könnte.

Ein Stegreif-Vortrag" pro Monat 

Bärbel Freund machte sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Ute Aurand ans Werk. Von August 2000 bis November 2001 filmten die beiden monatlich mit einer 16mm Kamera den Garten und baten Marianne Foerster außerdem, Stegreif-Vorträge“ über ihren Garten zu halten. Das tat sie gern. Sie erzählte über den Schnee, den sie mit dem Stock von den Sträuchern schüttelte, darüber, wie man an den Fußspuren der Besucher die beliebtesten Pflanzen erkennen kann, und wie streng die Besucher reagierten, wenn sie etwas in ihrem" Karl-Foerster-Garten verändert vorfanden.

Ute Aurand (vorne). Bärbel Freund (hinten) bei Filmaufnahmen 2000/2001 © Bärbel Freund
Entstanden sind Momentaufnahmen, die nicht nur ein Gartenjahr mit all seinen wechselnden Farben, Formen und Düften aufleben lassen, sondern auch das Wesen einer energischen Gärtnerin spürbar machen, die tief im Vermächtnis ihres Vaters verwurzelt war.

Der Karl-Foerster-Garten im Stummfilm


Aus dem Material, das die beiden Filmemacherinnen damals gesammelt haben, ist überraschenderweise ein Stummfilm entstanden. Die Tonaufnahmen wurden nie verwendet. Es ist ein großes Glück, dass uns die Filmemacherinnen die Aufnahmen zur Verfügung gestellt haben, wofür wir uns auf das herzlichste bedanken. Es hat etwas von geschenkten Momenten, jemandem zuzuhören, dessen Stimme längst verstummt ist. 

Postkarte anlässlich der Premiere im Berliner Kunstkino Arsenal im Jahr 2002 © Bärbel Freund
Wie Marianne Foerster den Garten ihres Vaters gesehen hat, warum auch eine Gärtnerin mit Blütenstaub in den Genen sich der Natur fügen muss, wie Bärbel Freund die Tochter von Karl Foerster erlebt hat und warum aus dem Material ein Stummfilm entstanden ist  – hören Sie in der Sendung.


Filmtipp:

Im Garten" Ute Aurand, Bärbel Freund 2002 29min 16mm stumm
Der Film soll digitalisiert und wieder gezeigt werden. Wir werden berichten, wenn es soweit ist.

Buchtipp: 

Der Garten meines Vaters; Marianne Foerster, Fotografien Gary Rogers; Hrsg. Ulrich Timm, DVA, 29,90 Euro. 
 
Der Karl-Förster-Garten:

Um den Karl-Foerster-Garten kümmert sich heute die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Ganz im Sinne von Vater und Tochter ist der Garten für Besucher offen. Täglich von 9:00 Uhr bis zur Dunkelheit. Wer eine Führung wünscht, kann sich an Regina Ebert (Tel. 0331 270 16 49) wenden.