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Schrebers Erben

„Raupenleim Klebelang“ setzten frühe Kleingärtner gegen Schädlinge ein. Zu DDR-Zeiten gab es sozialistischen Gemüsewettstreit und ausgerechnet der Namenspate, Dr. Schreber hatte mit Gärten gar nichts im Sinn. Und natürlich erfährt man im einzigen Kleingärtnermuseum der Welt auch einiges über die Entstehungsgeschichte der Pachtparzellen. 

Kaugummiapparat und Tütchen mit Samenmischungen mit dem Aufdruck "Blumengrüsse aus dem Kleingärtnermuseum in Leipzig" sind nur zwei Hingucker, die sich Museumsdirektorin Catarina Paetzelt hat einfallen lassen. Seit 12 Jahren leitet die ausgebildete Museologin das Museum und macht Schrebers Erbe fit für die Zukunft.

Andenken an das Kleingärtnermuseum in Leipzig © GartenRadio.fm

Dazu gehört heute der Umweltschutz. Catarina Paetzelt arbeitet eng mit NABU und BUND zusammen, bietet Kurse zum Insektenschutz und Artenreichtum an, veranstaltet Workshops zum Upcycling und Herstellen von Seedbombs. Und daneben können Besucher die Geschichte der Klein- bzw. Schrebergärten erfahren. 

Das Vereinshaus des KGV Dr. Schreber e.V. © Kleingärtnermuseum
Das Kleingärtnermuseum

Das einzige Kleingärtnermuseum der Welt steht auf dem Gelände des allerersten Schrebervereins, gegründet am 10. Mai 1864. So kann sich der Besucher nicht nur die Ausstellung ansehen und erfahren, wie Kleingärten entstanden sind, und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, sondern sich auch durch die original Schrebergartenanlage treiben lassen. 

Kinder sollten raus an die frische Luft und sich bewegen, Gemälde von Curt Richter 1928  © Kleingärtnermuseum
Der Namensgeber

Dass es dieses Museum und den Verein ausgerechnet in Leipzig gibt, ist kein Zufall. Dort wurde im Jahr 1808 Dr. Daniel Gottlob Moritz Schreber geboren, der Namensgeber der Schrebergärten. Heute gilt der Begriff Schrebergarten als Synonym für Kleingärten.

Schilder geben Auskunft über die einstigen Gärtner © Kleingärtnermuseum
Drei Mann in einem Beet

Erstaunlicherweise war Dr. Schreber Orthopäde und hatte mit Gärten gar nichts im Sinn. Sein Anliegen, das er Mitte des 19. Jahrhunderts verfolgte, passt auch in die heutige Handy- und Computer Zeit: die Jugend sollte sich mehr bewegen. Dass sich in Leipzig zu Kniebeugen und Ballspielen auch Radieschen und Kartoffeln gesellten, ist zwei "Weiterdenkern" zu verdanken. Dr. Ernst Innocenz Hauschild und Karl Gesell. Dr. Hauschild sorgte dafür, dass ein Platz zur Verfügung gestellt wurde, und Gesell brachte die Idee der Beete ein.
  Kleingärtner werden als Käuferschicht entdeckt © GartenRadio.fm
Im 19. Jahrhundert sprießen die Kleingärten

Die Idee der Kleingärten an sich war nicht neu. Zur Zeiten der Industrialisierung, in der die Landbevölkerung in die Städte und damit in die Fabriken und in enge Wohnblöcke zog, war die eigene, kleine Scholle die einzige Möglichkeit, sich mit Kartoffeln und Kohl zu versorgen. Überall entstanden Kleingarten-Anlagen. Mal richteten Unternehmer Arbeitergärten ein, mal engagierte sich das Rote Kreuz und mal "organisierten" sich Berliner Laubenpieper selber Land. 

Ablaufdatum 1991 - Ein Schrebergärtner hat die Konserven beim Aufräumen gefunden © GartenRadio.fm
Die Schrebergärten 

In den Leipziger Schrebergärten engagierte sich das Bürgertum. Darunter Opernsänger, Piano-Fabrikanten und Professoren. Und zwar nicht nur theoretisch, sie ackerten auch auf ihren Parzellen. Das Besondere an den Schrebergärten blieb das Engagement für die Jugend, die sich nicht nur bewegen, sondern auch an die Natur herangeführt werden sollte.

Schrebervereine kümmerten sich vor allem um die Jugend © Kleingärtnermuseum
Raupenleim Klebelang

Kleingärtner wurden als potentielle Käuferschicht entdeckt und man begann mit Gartenschläuchen, Blattlaus-Killern und Düngemitteln um sie zu werben. Und als die deutsche Kleingartenlandschaft nicht nur durch einen Gartenzaun, sondern durch eine Mauer getrennt war, entwickelte sich so etwas wie ein sozialistischer Gemüsewettstreit.

Kleingartenidylle trifft Subkultur - Steampunker picknicken auf der Schreberwiese © Kleingärtnermuseum
Leipzig, die grüne Stadt

Aus all diesen Zeiten erfährt man Geschichten im Kleingartenmuseum in Leipzig. Und es mag das Erbe von Dr. Schreber sein, dass Leipzig bis heute eine Hochburg in Sachen Kleingärten ist. In über zweihundert Vereinen werden rund zweiunddreißigtausend Parzellen von rund hunderttausend Kleingärtnern gepflegt. Auf hundert Leipziger kommen hier sechs Kleingärten, nur zum Vergleich: auf hundert Berliner oder Hamburger kommen nur zwei.

Museologin und -pädagogin Catarina Paetzelt vor der Museumslaube © GartenRadio.fm
Wie die Schrebergärten entstanden sind, warum Laubenpieper als die ersten Landbesetzer mit mobilen Hochbeeten gelten, und warum man heutzutage im KGV Dr. Schreber mit Steam-Punkern picknicken kann - hören Sie in der Sendung. 

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Kontakt:

Deutsches Kleingärtnermuseum

Aachener Str. 7
04109 Leipzig
Tel:(03 41) 2 11 11 94
Fax:(0341) 26 18 697
Mail:kleingaertnermuseum@t-online.de

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Donnerstag jeweils 10.00 bis 16.00 Uhr

Sommeröffnungszeiten: 
Juni bis August zusätzlich am Samstag und Sonntag 10-16 Uhr